
Auf die Fährte gebracht
Christian Peters, Konzertsaxofonist, 2011
Christine Falk führt uns mit Ihren Arbeiten auf die Grundstrukturen unserer Welt zurück, auf die wir tagtäglich schauen und dabei oft gar nicht bemerken. Denn meist vermag unser rastlos umher eilender Geist nur ein unüberschaubares Spektakel von Emotionen und Bedeutungen zu erkennen.
Christine Falks Bilder lassen mich zur Ruhe kommen, sie erden mich angenehm auf dem Grund dessen was wirklich ist. Ihre Bilder laden dazu ein, den Dingen rund um uns herum in einfacher Betrachtung auf den Grund zu gehen. Mit untrüglichem Blick für das Wesentliche setzt sie in ihren klaren Bildkompositionen quasi als Pointen gezielt konkrete Requisiten, die wie schwerelos in der zur Abstraktion reduzierten realen Bildsituation zu schweben scheinen, dank der unser Auge, durch sie auf die »Fährte« gebracht, zu suchen beginnt.
Dies schafft einen Spannungsbogen zwischen Schein und Sein, der die Betrachtung ihrer Bilder zu einer unermüdlichen Sinnenfreude macht und uns, ganz nebenbei anregt darüber zu meditieren was eigentlich Schein und was Sein ist, in den Bildern, und in dem, was in jedem Moment vor unserm Auge und vor unserem Geist sich zeigt.
Rechtecke und Quadrate
Claudia Beelitz, Kunstwissenschafterlin, Berlin, 2010
Rechtecke und Quadrate, Streifenformen und gitterartige Strukturen, Linien und monochrome Farbflächen dominieren in der Malerei von Christine Falk. Gleichwohl liegen der Berliner Künstlerin theoretische Diskurse um die Konkrete Kunst ebenso fern wie metaphysische Begründungen von Gegenstandslosigkeit. Keines ihrer Bilder bleibt denn auch im Gegenstandslosen verhaftet. Erkennbar hingegen werden Häuser, Fenster, Dächer, Zäune, Stühle, Bootsstege, Wiesen und vielfältige Allusionen an Stadt- und Landschaftsräume in geometrischer Abstraktion. Selten allerdings zeigen ihre Bilder Figuren, und nie verliert sich Christine Falk im Narrativen; sie konzentriert sich vielmehr auf eine streng formale Reduktion.
Für Christine Falk ist die Konstruiertheit der Welt eine entscheidende Voraussetzung, die sie weder in Frage stellt, noch zu entlarven sucht. Diese Konstruiertheit spiegelt sich für sie formal in geometrischen Grundkonstanten: in der Horizontalen wie der Vertikalen, die bisweilen von Diagonalen bzw. Schrägen durchbrochen werden. Als formaler Filter, gleichsam wie eine Brille, legen sich diese geometrischen Konstanten auf ihren Blick. Bei zahlreichen Reisen fotografiert Christine Falk Orte, die für sie eine atmosphärische Ausstrahlung haben, die sie erstaunen, ihr fremd sind und ihre Neugier wecken. Bereits in vielen ihrer Fotografien wird ein geometrisch orientierter Blick deutlich, wenn Christine Falk ihr Interesse beispielsweise auf ineinander geschachtelte Häuser in Tibet konzentriert oder die Rasterung einer Fassade im thailändischen Ratchaburi fokussiert. Deutlich wird im Rahmen dieser Reduktion ein ausgeprägtes Interesse an Licht und Farbigkeit, wie sie in Europa nicht anzutreffen sind.
Zurück in Berlin setzt Christine Falk ihre Reiseeindrücke malerisch um. Sie legt die Fotografien zugrunde, wählt aus und verändert die Ausschnitte. Bei einer nochmaligen Reduktion der fotografischen Vorlagen orientiert sie ihre Aufmerksamkeit an klassischen Kompositionsprinzipien wie dem Goldenen Schnitt oder der Symmetrie Kompositionsprinzipien, die auf Klarheit und Harmonisierung zielen. Streng konzipiert verspannt sie die einzelnen Elemente im Bildgeviert. Als Resultat ergeben sich flächenorientierte wie raumgreifende Kompositionen; solche, die einzelne Motive fokussieren, ebenso wie Bilder, die das Neben-, Vor- und Hintereinander geometrischer Formen und Farbflächen zum Grundthema haben. Dabei lotet Christine Falk das weite Spektrum malerischer Möglichkeiten aus: Streng begrenzte monochrome Bildpartien mit glattem Farbauftrag werden von malerisch aufgelösten Passagen und Farbverläufen konterkariert; harmonisierende und disharmonische Kontraste generieren Spannungsverhältnisse.
Christine Falks Arbeit wäre jedoch mit einer malerischen Umsetzung von Reiseeindrücken noch nicht hinlänglich beschrieben. Denn die visuellen Erfahrungen im Fremden haben sich grundsätzlich auf Ihre Wahrnehmung niedergeschlagen und beeinflussen auch die Sicht auf das Nahe. Dies spiegelt sich in Arbeiten wie Sommer in Kassel oder in der Serie Berlin Weißensee. Das Fremde und das Eigene, die im europäischen Kontext ungewöhnlichen Farb- wie Lichtverhältnisse und der europäische Blick verschmelzen in den Arbeiten Christine Falks zu einer gleichermaßen spannungsvollen wie auf visuelle Harmonisierung zielenden Malerei. Nicht das Verborgene, Unklare oder Geheimnisvolle jenseits des Visuellen fasziniert Christine Falk, sondern das Sichtbare selbst. Aus visuellen Fundstücken kondensiert sie über die formale Reduktion diejenigen Momente, die ihr wichtig sind: Licht und Farbe. Das Einfache, nicht das Überbordende, sei für sie entscheidend, sagt die Künstlerin. Das Auge solle sich angesichts der so geschaffenen Klarheit ausruhen. Christine Falks künstlerische Reflexion ihrer retinal wie mental aufgenommenen und fotografisch festgehaltenen Bilder erweist sich so als eine Recherche im Rahmen des Kontemplativen.
Dinge
Dörte Lammel, Galeristin und Kunsthistorikerin, Berlin, 2002
Christine Falks spezifische Bildsprache ist der Realität sehr verpflichtet. Fernreisen nach Asien, Afrika, aber auch zunehmende Zufallsbegegnungen im unmittelbaren Lebensraum sind Ausgangspunkte für ihre häufig seriell bearbeiteten Bilddthemen ( Bäume, Parkbänke). Auch Christine Falk nimmt optische Reize auf , von denen sie sich gleichsam überfallen fühlt, und setzt sie in intensivem Arbeitsprozess in ihre Bildidee um. Ihr geht es dabei immer wieder um eine Bewusstwerdung und um ein Staunenkönnen angesichts der alltäglichen Sensationen, die überreizten Menschen häufig entgeht. Sie erprobt sehr sorgsam Möglichkeiten formaler Gliederung der Flächenaufteilung, der Formenanordnung sowie der farbigen Ausdruckskraft, wobei im Dreiklang Form , Inhalt , Farbe der letzteren das größte Gewicht beigemessen wird. Der Künstlerin ist eine durch klare Konturierung und spannungsvolle, kontrastreiche Flächenaufteilung auffällige Formenstrenge wichtig, die jedoch nie in die reine Abstraktion abgleitet , sondern die ihre malerischen Werte behält. (So durchbricht z.B. die lockere Anordnung stilisierter Früchte auf einem bildüberschneidenden Teller das streng geometrische flächige Bildgerüst.) Formverknappung, Sachlichkeit der Darstellung in ihrer unbedingten Strenge und Konzentration läuft bei aller Gegenstandsbezogenheit ebenfalls meist auf das malerische Kürzel als künstlerisches Zeichen heraus, Einzelformen werden herausgestellt, ausgestellt oder gehen in eine sie umbindende Ornamentik über. Durchblicke, Einblicke , Ausschnitte , Überschneidungen und formvergrößerte Details lösen Assoziationsketten aus. Aus Vegetabilem und Architektonischem entwickelt sich Ornamentales. Der Nuancenreichtum ihrer Farbklänge setzt Atmosphärisches frei. Christine Falk ist jeder Romantik abhold und betreibt keine Wolkenschieberei: Dingbezogen , sachlich und knapp zieht sie ihren reduzierten Formenkanon in der Fläche zusammen, so das Wesen der Dinge neu erlebbar werden lassend.
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